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    Lehrstuhl für Religionspädagogik

    Religion und Menschenrechte

    Eine empirisch-theologische Studie mit christlichen und muslimischen Jugendlichen

    Teilnehmer

    Dipl.-Theol. Tobias Benzing, Dipl.-Päd. Marion Reindl, Prof. Dr. Hans-Georg Ziebertz

    Forschungsproblem

    Multikulturalität, Pluralität und soziale Kohäsion: Gesellschaften, auch die deutsche werden zunehmend plural und multikulturell. In einer Gesellschaft leben Menschen unterschiedlichster Herkunft, Kultur und Religion zusammen. Sie haben unterschiedliche Werte, Normen, Traditionen und Einstellungen. Wo derart unterschiedliche Lebensformen aufeinandertreffen, stellen die Polarisierung gesellschaftlicher Untergruppen einerseits und die Anonymisierung der Gesellschaft andererseits zwei verschiedenartige, jedoch gleichsam ernsthafte Gefahren dar. Das Anliegen, sowohl die Bildung konkurrierender oder gar sich bekämpfender Untergruppen zu vermeiden, als auch dem Zerfall der Gesellschaft in isolierte Einzelpersonen entgegenzuwirken, entspricht dem nach der Stärkung der sozialen Kohäsion in einer Gesellschaft. Der innere Zusammenhalt einer Gesellschaft, bestimmt durch Beziehungen ihrer Mitglieder und deren Verbundenheit wird bestimmt durch Merklmale wie gleiche Werte, Zugehörigkeitsgefühl, Vertrauen, Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit. Die Menschenrechte als universaler und allgemein anerkannter Rechtscodex bieten eine Grundlage des Zusammenlebens, die Humanität, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftliches Funktionieren sichern können. Menschenrechte bedürfen dabei nicht nur der Unterstützung durch Politik und Jurisdiktion auf der formellen Ebene ihrer Anwendung. Um Anwendung und Status dieser universellen Rechte zu sichern bedarf es auch der Unterstützung unterschiedlicher gesellschaftlicher Kräfte, wie bspw. der Religion, die vielfach, selbst in sog. säkularen Gesellschaften, als ethisch-moralische Autorität fungiert, sowie dem Mittragen durch die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft mit ihren persönlichen Werthaltungen und Einstellungen.

    Forschungsfragen

    Die Studie will untersuchen, ob Religion(en) in ihrer individuellen Form als Religiosität von Schülerinnen und Schülern einerseits und die persönlichen Werte der Schülerinnen und Schüler andererseits in einem positiven, negativen oder gar keinem Zusammenhang zu ihren Einstellungen zu Menschenrechten stehen.
    Es ergeben sich folgenden Forschungsfragen:

    1. Welche religiösen Einstellungen und welche religiöse Praxis haben christliche, muslimische und religiös nicht gebundene Schülerinnen und Schüler?
    2. Welche Einstellungen zu Menschenrechten haben christliche, muslimische und religiös nicht gebundene Schülerinnen und Schüler?
    3. Welche persönlichen Werte sind bei den Schülerinnen und Schülern vorherrschend?
    4. Welche Effekte gibt es von religiösen Einstellungen und religiöser Praxis auf die Einstellungen zu Menschenrechten?

    Forschungsziel

    Ziel des Projektes ist es zu untersuchen, inwiefern Religion bzw. Religionen als soziale Kräfte die Anwendung der allgemeinen Menschenrechte eher unterstützen und sichern oder in welcher Form sie dieser entgegenwirken. Dabei geht es nicht nur um die formale Religionszugehörigkeit, sondern um konkrete Glaubensinhalte, bevorzugte Glaubenspraxis und religiöse Erfahrungen. Ebenso wird die Einstellung zum Verhältnis der eigenen zu anderen Religionen in den Blick genommen. Durch Einbeziehung von Werten als weiterer unabhängiger Variable soll zum Einen Aufschluss darüber gewonnen werden, inwiefern es relevante Zusammenhänge dieser persönlich-individuellen Normen mit gesellschaftlich-formalen Normen, wie Menschenrechten, gibt und welche konkreten Wertinhalte die menschenrechtlichen Normen eher fördern oder blockieren. Zum Anderen kann erfasst werden, inwiefern persönliche Werte ggf. auch als Moderator zwischen der religiösen Einstellung und der Einstellung zu Menschenrechten stehen können.
    Dadurch soll ein vertieftes Verständnis der Interessen und Einstellungen Jugendlicher zu den untersuchten Themen erreicht und so theologische und erziehungswissenschaftliche Theoriebildung gefördert werden. Dies kann als Basis auch für die Entwicklung von Unterrichtsentwürfen zu den behandelten Themen dienen, die bspw. im Religionsunterricht eingesetzt werden können.

    Methode und Stichprobe

    Bei dem vorliegenden Projekt mit explorativem Charakter handelt es sich um ein quantitativ-empirisches Forschungsvorhaben. Die Fragebogenuntersuchung wird mit christlichen, muslimischen und religiös nicht gebundenen Schülerinnen und Schülern der Klassen 10 und 11 durchgeführt.

    Förderung

    Dieses Projekt wird durch die DFG gefördert.

    Publikationen

    Kontakt

    Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts
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    97070 Würzburg

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    Fax: +49 931 31-83132
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