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    Lehrstuhl für Religionspädagogik

    GSiK-Veranstaltungen

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    Veranstaltungen des Lerhstuhls Religionspädagogik werden rechtzeitig in den News angekündigt.

    GSiK-Vorträge im Rahmen der Tagung des Forschungsprojekts „Religion and Human Rights“

    Ausrichter: Lehrstuhl für Religionspädagogik, Prof. Dr. H.-G. Ziebertz

    Religionen, Menschenrechte und das Recht auf Leben

    Das Recht auf Leben ist das grundlegende Menschenrecht. Es besitzt in der Rechtssystematik der Menschenrechte einen besonderen Stellenwert, denn es bezeichnet als eine zentrale Garantie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) die conditio sine qua non für die Ausübung aller anderen Menschenrechte. Dennoch ist nicht eindeutig geregelt, was das Recht auf Leben genau beinhaltet. Die Todesstrafe etwa ist in der AEMR nicht explizit ausgeschlossen, in der später verfassten Europäischen Menschenrechtserklärung dagegen schon. Ebenfalls nicht eindeutig geklärt ist, ob Sterbehilfe und Abtreibung von dem Recht auf Leben ausgenommen sind. Die Kontroversen und Diskurse zu diesen Themen werden intensiv geführt, die einzelnen Länder gehen in diesen Fragen eigene Wege.

    Bei der Tagung „Religion, Menschenrecht und das Recht auf Leben“ stellen Wissenschaftler aus dem Nahen Osten, Afrika und Südamerika ihre Untersuchungen über Auffassungen zu Sterbehilfe, Abtreibung und Todesstrafe vor, sie entwickeln Theorien über die gesellschaftlichen Diskurse zu diesen Themen.

    Anhand exemplarischer empirischer Untersuchungen aus Palästina, Chile, Nigeria und Tansania eröffnen die Vorträge Einsichten, ob es entlang kultureller und religiöser Grenzen unterschiedliche Bewertungen des Rechts auf Leben gibt, und wie diese Unterschiede erklärt werden können. Neben Vorträgen werden die Referenten zusammen mit dem Leiter des Internationales Forschungsprogramms „Religion and Human Rights“, Prof. Dr. H.-G. Ziebertz, und allen Zuhörerinnen und Zuhörern diese Themen diskutieren.

    Die Referenten sind:

     Jorge Manzi and Joaquín Silva Soler (all: Pontificial Univ. Santiago de Chile)

              “The Rights to Life in Chile: a strong association with religiosity and values”

     Clement Fumbo (Univ. of Tanzania) and Modestus Adimekwe (Univ. of Würzburg; Nigeria/NG)

              “Right to Life in Tanzania and Nigeria: a comparative study”

     Ray Webb (Univ. of St Mary of the Lake, Mundelein/US)

              “Life attitudes of young Palestinian Muslims”

    Das Symposion findet statt:

    Datum: 12. und 13. Dezember 2016

    Ort: Burkardushaus, Raum und Uhrzeit wird noch bekannt gegeben

    Für GSiK-Studierende: Für die Teilnahme am Symposion können 3 GSiK-Vorträge angerechnet werden.

    Wichtig: Um vorherige Anmeldung zu den Vorträgen wird gebeten!

    Anmeldung bis 6.12.2016 bei Susanne Döhnert

     

    Diskriminieren wir Muslime, wenn wir interreligiös Lernen? – Rückblick auf das GSiK-Streitgespräch »Diskriminierung durch interreligiöses Lernen«

    Prof. Scherr, A. Unser, Prof. Sajak
    Die Zuhörer

    Ist es zu rechtfertigen, religiöse Differenzen im Unterricht zu fokussieren? Dieser Frage ging ein Streitgespräch zwischen Prof. Dr. Albert Scherr (Soziologie, PH Freiburg) und Prof. Dr. Sajak (Religionspädagogik, Uni Münster) am 7. November nach, das vom Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts (Prof. Dr. Dr. Ziebertz), im Rahmen des GSiK-Projektes veranstaltet wurde.

    In seinem Eingangsstatement betonte Prof. Scherr, dass Muslime in Deutschland als religiöse Minderheit oftmals mit Ablehnung und Vorurteilen konfrontiert seien. Grund dafür seien oftmals stereotype Bilder »des Muslims«, wie sie in den Medien verbreitet würden. Das Individuum, das nicht gefangener seiner Religion sei, sondern sich in einer modernen Gesellschaft durch ganz unterschiedliche Bezüge definiere, gerate dabei aus dem Blick. Interreligiöses Lernen verstärke diese Tendenz, da die Teilnehmer oftmals in Rollen gedrängt würden, in denen sie als Vertreter »ihrer« Religion agieren müssten.

    Prof. Sajak betonte hingegen, dass eine religiös-weltanschauliche Perspektive ein genuiner Weltzugang sei, der aus bildungstheoretischer Sicht nicht vernachlässigt werden dürfe. In einer multireligiösen Gesellschaft träfen viele solcher unterschiedlichen Weltzugänge aufeinander. Diese Vielfalt biete die Chance, an Differenzen zu lernen und die eigene Perspektive besser zu verstehen. Zugleich stelle die Vielfalt aber auch den Anspruch an Unterricht und Schule, an einer Haltung des Respekts und der Anerkennung unterschiedlicher religiöser Traditionen mitzuwirken.

    Wie bereichernd es sein kann, wenn unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven ein Phänomen beleuchten, zeigte sich im daran anschließenden Streitgespräch. Während Prof. Scherr die Bemühung um ein Verbindendes einforderte, das er in den Menschenrechten sieht und auf dessen Grundlage erst verschiedene Lebensentwürfe thematisiert werden sollten, die jedoch individuell und plural seien, also nicht idealtypisch eine Religion repräsentierten, stritt Prof. Sajak dafür Religionen nicht lediglich individuell aufzulösen, sondern ebenfalls als normative Bezugsgrößen mit Glaubenssätzen und Traditionen ernst zu nehmen und zu thematisieren.

    Als Fazit der Veranstaltung lässt sich festhalten: Die Thematisierung religiöser Differenz im Unterricht bewegt sich auf schmalem Grat. Eine wissenschaftliche Religionspädagogik muss sich kritisch mit der Praxis interreligiösen Lernens auseinandersetzen, um nicht zur Stereotypisierung und Diskriminierung anderer beizutragen. In einem kritischen Dialog mit anderen Wissenschaften kann sie dabei auch ihr eigenes Verständnis von Sinn, Zweck und Praxis interreligiösen Lernens schärfen, ohne ihren eigenen Standpunkt aufzugeben.

    (A. Unser, Fotos von B. Kalbheim)

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